Geteilte Freude, doppelte Freude – Bergtour auf den Habicht

Extrem heikel im oberen Bereich. Einer der leichtesten 3000er. Konditionell anspruchsvoll und ausgesetzt. Auch für Wanderer gut machbar. Kletterfähigkeiten und absolute Trittsicherheit erforderlich. Ja, was denn nun? Vielleicht: eine leichte Hochtour und eine schwere Wanderung zugleich? Auf jeden Fall: ein beliebtes Ziel für viele.

VON WO NACH WO: Beginn und Ende der Tour in Neder im Stubaital
WIE HOCH: Insgesamt 2400 Hm (1500 Hm bis zur Innsbrucker Hütte, von dort 900 Hm auf den Gipfel)
WIE LANG: Rund 4,5 Std. bis zur Hütte, ca. 2,5 bis 3 Std. auf den Habicht

WIE SCHWER: Der Weg führt durch wackeliges, nur selten ausgesetztes Blockgelände. Immer wieder kommen die Hände zum Einsatz, wirklich klettern müssen sie aber kaum. Über alle schwierigeren Stellen helfen Stahlseile hinweg.

DAS MUSS MIT: Genug zu trinken, etwas Geduld und Schuhe, die mit Geröll zurecht kommen.

WIE WAR’S: Erst lang-, dann kurzweilig. Der Weg bis zur Hütte zieht sich zäh in das Tal hinein, das mit den gelaufenen Stunden mehr und mehr an Imposanz verliert. Von der Innsbrucker Hütte aus wird die Tour dann abwechslungsreich. Mal wackelt man sich durchs Geröllfeld, mal schleicht man über Platten, kraxelt über Blöcke oder hangelt sich am Stahlseil aufwärts. Mal wollen sechsköpfige Gruppen überholt werden, mal drängen sich hüpfende Bergläufer im hautengen Trikot vorbei. Nach einer Nacht in der übervollen Hütte (die Wirte mussten Wäschekammer und Bügelzimmer als Notlager einrichten) hat man sich beim Aufstieg längst vom Ideal der einsamen Bergwelt verabschiedet und so reiht man sich am besten geduldig und gelassen in die Schar der Habicht-Besteiger ei – in dem Wissen, dass auf dem weitläufigen Gipfelplateau Platz für alle ist.

SCHÖNSTER FLECK: Eine windgeschützte Terrasse in den Felsblöcken unterhalb des Gipfels. Kurz vor der letzten Stahlseilpassage rechts ist der ideale Brotzeitplatz: beste Aussicht auf Landschaft und vorbeiwanderende Bergkollegen, kein kaltes Lüftchen im Genick, Steinplatten als Schneidunterlage und mittags die Sonne im Gesicht.

WEN TRIFFT MAN DA: Vier Damen im Alter 80 plus, die sich mit bedächtlichen Schritten ihren Weg bahnten und von allen Überholenden respektvoll bestaunt wurden. Leider sind sie nicht sonderlich weit gekommen. Ansonsten: mittelaltes Wandervolk, das nach Abenteuer sucht.

DAS HÄTTEN WIR BESSER VORHER GEWUSST: Dass die Parkplatzautomaten in Neder entweder keine Scheine annehmen, keine Kartenzahlung erlauben oder nicht auf Menschen ausgerichtet sind, die dort mehr als einen Tag stehen bleiben möchten. Dass es sich lohnt, ein Fahhrrad einzupacken, um damit bis zur Karalm zu strampeln statt zu hatschen (man hätte es ja ahnen können). Und dass es das viel gefürchtete Schneefeld in diesem Sommer nicht gibt und kein Gletscher mehr da ist, den man noch überqueren könnte.

GRUSELMOMENT: Wenn du zum ersten Mal erkennst, wie viele Menschen sich auf dem Gipfel drängen, und feststellst, dass das seltsame Surren über dir von einer Drohne stammt.

BESSER NICHT: Die Tour im dicken Nebel machen. Dann könnten die Markierungen schwer zu finden sein und die Orientierung wird schwierig.

SCHLEMMEN: Deftige Hauptgerichte und Suppen auf der Innsbrucker Hütte (zum Beispiel Knödel, Braten, Nudeln). Kaffee und Kakao, Kuchen und Strudel auf der Karalm. Sehr zu empfehlen: Preiselbeer-Schokokuchen und Milch von den Kühen hinter dem Gatter.

MEHR DAZU: Eine ausführlichere Wegbeschreibung gibt’s hier.

Bewertung: 3 von 5 Menschenschlangen

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