Garstiges Grün, genüssliches Grau – der Guffert-Westgrat

Oder: Durch Latschen latschen. Denn der Einstieg in den Grat ist hart erkämpft. Hartnäckiges Grünzeug mit schlagkräftigen Zweigen macht den Anmarsch zur Geduldsprobe. Doch die Plackerei lohnt sich. Am Ende der Latschenfelder warten drei Stunden genüsslichste Kraxelei, eine Abseilstelle, zwei Gipfel und wunderbare Ausblicke.

VON WO NACH WO: Beginn und Ende der Tour in Steinberg am Rofan
WIE HOCH: Insgesamt 1300 Hm, inklusive 500 Klettermeter am Grat
WIE LANG: Ungefähr 9 Stunden

WIE SCHWER: Überwiegend unschwieriges, aber ausgesetztes Gekraxel im ersten, zweiten Grad. Einzelne Dreier-Stellen. Wer ambitionierter unterwegs ist, darf sich in einen Sechser-Aufschwung wagen. Diese Passage kann aber auch umgangen werden kann. Dann wartet eine plattige Drei.

DAS MUSS MIT: 50-Meter-Seil (am Ende des Grats muss 25 Meter abgeseilt werden), 3 Exen, ein paar Bandschlingen, Helm.

WIE WAR’S: Bis die Hände zum ersten Mal den Fels berühren, wollen nicht endende Latschenfelder durchquert werden. Kurz bevor man das Gewühle endgültig nicht mehr lustig findet, ist der Einstieg schließlich da. Der Fels am Grat ist größtenteils fest, ab und zu lösen sich aber benunruhigend große Brocken unter der Hand. Abgesehen davon bietet der Grat genüsslichste Kraxelei.

SCHÖNSTER FLECK: Der Westgipfel. Niemand da, bester Blick auf die Wanderhorden am Guffert, grandiose Weitsicht und noch ein paar schöne Meter vor uns.

WEN TRIFFT MAN DA: In unserem Fall: fast niemanden. Vor uns am Grat war ab und zu eine Zweier-Seilschaft zu erahnen. Beim Abstieg vom Guffert waren wir spät genug dran, um uns nicht in die Schlange bergab auf dem Normalweg einreihen zu müssen.

DAS HÄTTEN WIR BESSER VORHER GEWUSST: Dass sich das Gewitter bis 20 Uhr Zeit lässt (dann hätten wir uns nicht so schicken müssen). Und dass wir den Einstieg nicht in der bröseligen Rinne suchen müssen, die sich zwischen dem Grünzeug auftut. Er versteckt sich noch ein paar Latschen weiter, hinter einem langgestreckten Rücken.

GRUSELMOMENT: Wenn man sich an einer luftigen Stelle seitlich um eine Felsnase hangelt und sich die große Schuppe plötzlich löst, an der man sich gerade festhält. Und man nur deshalb nicht runterpurzelt, weil sich die Wackelschuppe schnell wieder an ihren Platz drücken lässt. Abgesehen von Bröselzeug wird großem Grusel vorgebeugt: Haken sind da, wo man sich Haken wünscht.

BESSER NICHT: Bei Nässe gehen. Oder an knallheißen Sommertagen. Oder wenn sich das Gewitter nicht bis abends Zeit lässt.

ABKÜHLUNG: Ein kleiner Wasserfall am Zu- und Abstieg. Der eiskalte Bach, der durch Steinberg fließt. Wunderbar zum Füße kühlen, wenn man endlich aus seinen Schuhen schlüpfen kann.

SCHLEMMEN: Unterwegs muss die Brotzeitbox herhalten. Nach der Tour: Pizza bei Francesco in Tegernsee, Eis bei Franzetti in Holzkirchen. Beides einen Zwischenstop wert.

MEHR DAZU: Topo und Wegbeschreibung gibt’s hier.

Bewertung: 5 von 5 Latschen

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