Vorletzte Chance – über den Blaueisgletscher auf den Hochkalter

Die wahrscheinlich niedrigste Hochtour der Alpen. Unbedingt wollten wir sie noch angehen, solange es noch etwas zu gehen gibt. Solange der Blaueisgletscher dem Klimawandel noch nicht gänzlich zum Opfer gefallen ist. Was von der Hütte aus mittlerweile aussieht wie ein gefrorener Mückenschiss, entpuppt sich als kurze, aber steile Blankeisflanke, die mit allen Gliedmaßen erklommen werden will.

VON WO NACH WO: Beginn und Ende der Tour am Hintersee. An der Blaueishütte vorbei zum Gletscher, über die Blauseischarte zum Gipfel des Hochkalter (2607 m). Von dort auf dem Normalweg zurück.
WIE HOCH:
 Insgesamt 1850 Hm, ab der Blaueishütte 950 Hm
WIE LANG: Alles in allem etwa 9 bis 10 Stunden, von Hütte bis Hütte ca. 6 bis 7 Stunden

WIE SCHWER: Erst geröllig und fast weglos von der Hütte bis zum Gletscherrand, von dort mit Steigeisen und Pickel steil bergauf. Angeblich hat der obere Teil bis zu 55 Grad. Wer starke Nerven hat, krabbelt frei. Ansonsten lässt sich die Passage gut mit Eisschrauben absichern. Stürzen ist auf jeden Fall nicht drin, das haben einige Todesfälle in der Vergangenheit gezeigt. Nach der (in unserem Fall leicht zu überquerenden) Randkluft helfen Fixseile durch eine unschwierige, aber ziemlich bröselige Rinne. Bis zur Blaueisscharte in schöner Zweier-Kletterei (wer mag, kann sich hier mit einer Prusikschlinge an den Fixseilen sichern). Von dort die linke Rinne anvisieren und ebenfalls in Zweier-Gelände (ohne Seile, dafür mit festem Fels) bis zum Gipfel des Hochkalter.

DAS MUSS MIT: Seil, Gurt, Steigeisen, Pickel, Eisschrauben, Prusikschlinge, Helm.

WIE WAR’S: Ein Eis-Abenteuer unterhalb von 3000 Metern – das ist besonders. Noch dazu in der wunderschönen Umgebung des Berchtesgadener Nationalparks. Die Tour bietet alles, wonach sich das Bergsteigerherz sehnt: spannende Eispassagen, abwechslungsreiche Kraxelei, erfüllende Ausblicke und einen Rückweg, der für viele alleine schon ein Highlight ist.

SCHÖNSTER FLECK: Die Blaueisscharte. Ein weitläufiger Brotzeitplatz mit Blick auf den Watzmann.

WEN TRIFFT MAN DA: Rund um die Blaueishütte versammelt sich eine bunte Mischung aus Tagesausflüglern, Wanderern, Klettergruppen und zustiegsresistenten Boulderern. Am Gletscher waren wir allein. Anscheinend tummelt sich dort aber öfter die Bundeswehr. Zumindest haben die Gebirgszügler einige ihrer Eisschrauben zurückgelassen.

DAS HÄTTEN WIR BESSER VORHER GEWUSST: Dass die Route ab der Blaueisscharte in kompaktem, griffigem Fels weiter links aufwärts führt. Dann hätten wir während der Brotzeit nicht dauernd beunruhigt zu der bröseligen Rinne weiter rechts linsen müssen. Einfach einmal ums Eck in Richtung Südosten spazieren, da weist eine deutliche Markierung den Weg. Weiter oben helfen immer wieder Steinmännchen und vereinzelte Bohrhaken bei der Orientierung.

GRUSELMOMENT: Wenn der Erste ans Fixseil greift und damit eine halbe Gerölllawine auslöst.

BESSER NICHT: Bei unsicheren Bedingungen gehen. Über den Gletscher abzusteigen, braucht Zeit. Genauso der Rückweg über den „Schönen Fleck“. Außerdem kann die Randkluft laut Beschreibungen manchmal heikel sein, also besser die Wirte im Vorfeld fragen, wie die Tour gerade zu gehen ist. Auch keine gute Idee: nach der Randkluft dicht hintereinander und/oder ohne Helm in die Rinne klettern. Hier fliegen einem die Steine um die Ohren.

ABKÜHLUNG: Schnee und Eis in … na ja, nicht mehr unbedingt rauen Mengen. Wer sich einmal an den Gletscher lehnt oder an der Randkluft knabbert, ist sich seiner Abkühlung aber trotz fortschreitender Schmelze immer noch sicher.

SCHLEMMEN: Sie sind ja schon lange kein Geheimtipp mehr, aber trotzdem einen Besuch wert: die Kuchen auf der Blaueishütte. Für uns gab’s Käse-, Zwetschgen- und Apfelkuchen. Natürlich beim Auf- UND beim Abstieg.

MEHR DAZU: eine Wegbeschreibung gibt’s hier.

Bewertung: 5 von 5 obstKuchen

 

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken