Chaos mit System: Klettergrade im Vergleich

Es gibt ja diese What-The-Fuck-Momente im Leben. Einer davon ereilte uns mitten in einer Mehrseillänge auf Sardinien. In 45 Metern Höhe dämmerte uns, dass die winzigen Leisten und Löcher nichts mit dem sechsten Grad zu tun haben können, mit dem sie im Führer beschrieben waren. Uns wurde klar: Wir hatten die Bewertungen durcheinandergebracht. Was nun? Wenn du auch ein bisschen Nachhilfe in Sachen Klettergrade gebrauchen kannst und bei 5.10, E9 und 8c+ nur Bahnhof verstehst, dann bist du in diesem Artikel richtig. 

Um es vorweg zu nehmen: Oben angekommen sind wir trotzdem. Und sicher wären wir mega stolz auf uns gewesen, hätten wir uns nicht so über unsere Dummheit ärgern müssen. Was war passiert? Wir hatten uns eine Mehrseillänge ausgesucht, die sich konstant im fünften und sechsten Grad bewegt. Das erschien uns schlau, weil wir normalerweise nur bouldern und sportklettern und uns bei einer so langen Tour auf (für uns) leichte Grade beschränken wollten. Nach dem Motto: viel Rucksack, wenig Erfahrung, also erstmal rantasten. Dummerweise hatten wir nicht bedacht, dass die Italiener die französische Skala verwenden und nicht die aus der Heimat gewohnte UIAA-Skala. Lange Rede, kurzer Sinn: Statt 5er und 6er gab es 6er und 7er – und einige ziemlich harte Züge statt lässiger Plaisirkletterei. Kein Riesendrama, aber ein bisschen so, als ob man nur schnell eine Runde um den Block laufen wollte und dann doch aus versehen im Halbmarathon gelandet ist. Für uns gab es nach diesem Erlebnis deshalb nicht nur ein kühles Bier, sondern auch ein wenig Nachhilfe in Sachen Schwierigkeitsbewertungen. Was wir dabei gelernt haben, möchten wir an dieser Stelle mit euch teilen:

der gradmesser Für Boulderer: Die fb-Skala

In Europa gilt beim Bouldern die Fontainebleau-Skala.

Schauen wir zunächst auf’s Bouldern, denn da ist die Sache verhältnismäßig simpel. In Europa verwenden nämlich alle dasselbe Bewertungssystem: die Fontainebleau-Skala, kurz fb. Sie reicht von 1 (superleicht) bis 8C+ (bretthart) und ist nach jenem französischem Ort benannt, der völlig zur Recht als Wiege des Boulderns gilt und dessen bloße Erwähnung viele Finger schwitzen und viele Augen leuchten lässt. Bewertet werden die Probleme (so heißt eine „Route“ beim Bouldern) mit arabischen Zahlen und Buchstaben von a bis c, manchmal kommt außerdem ein Plus (+) dazu. Die Buchstaben werden ab dem vierten Grad verwendet, das Plus ab dem sechsten. Beispiel gefällig? Im siebten Grad gibt es folgende Schwierigkeitsgrade: 7A, 7A+, 7B, 7B+ sowie 7C und 7C+. Und so geht es munter weiter bis zur magischen 8c+. Die ist allerdings gar nicht mehr so magisch, denn schwerkraftimmune Ausnahmeboulderer wie  Nalle Hukkataival verschieben die Grenzen immer weiter nach oben. Aktuell wird deshalb darüber diskutiert, ob man die Skala auf den neunten Grad ausweiten sollte.

Aber zurück zu den Basics: Die Buchstaben beschreiben eine Aufwertung des Grades, ein „C“ ist also schwieriger als ein „A“. Und auch so ein kleines „+“ kann einen enormen Unterschied machen: Es zeigt an, dass es sich um ein besonders knackiges Problem handelt. Generell ist die Bewertung beim Bouldern übrigens deutlich härter als beim Klettern, weil die Probleme kürzer und komprimierter sind. Im Vergleich zum Sportklettern kann man in der Regel getrost einen bis eineinhalb Grade abziehen. Soll heißen: Wer flockig 8er klettert, kann sich an 7er-Bouldern schon ganz schön die Zähne ausbeißen.

Die zweite, für das Bouldern wichtige Skala ist die V-Skala, die aber ausschließlich in den USA verwendet wird. Sie reicht von VB0 bis V16, wobei eine 6B ungefähr einer V3/V4 entspricht. In Europa wird sie euch nicht begegnen, weil aber viele starke Boulderer aus den USA kommen und mit Bishop, Hueco Tanks und Co. einige der besten Gebiete auf amerikanischem Boden liegen, begegnet man der V-Skala trotzdem häufig. In der Grafik unten könnt ihr euch anschauen, wie sich die Grade umrechnen lassen.

Fazit: Beim Bouldern wird europaweit die FB-Skala verwendet, die von 1 (easy) bis 8C+ (bretthart) reicht.    

must-know Für Sportkletterer #1: Die französische skala

Beim Klettern wird die Sache schon etwas komplizierter. Das liegt daran, dass Sportkletterer andere Bewertungen verwenden als Alpin- oder Tradkletterer, viele Länder eigene Skalen haben und es zu allem Überfluss auch noch regionale Unterschiede gibt. Im sächsischen Elbsandsteingebirge etwa gelten ganz andere Regeln als im Rest Deutschlands. Aber keine Sorge: Wir wollen hier weder Zeilen- noch Hirnkapazitäten sprengen und beschränken uns daher auf die gängigsten Skalen. Im Grunde sind ohnehin nur zwei davon so relevant, dass sie jeder Sportkletterer kennen sollte: die UIAA-Skala und die französische Skala.

Die französische Skala ist der Boulderskala recht ähnlich und verwendet ebenfalls arabische Zahlen, die Buchstaben a, b und c sowie das Plus. Sie reicht von 1 bis 9c und ab dem sechsten Grad gibt es innerhalb eines Grad je sechs Bewertungen. Im siebten wären das zum Beispiel 7a, 7a+,7b, 7b+ sowie 7c und 7c+. Genau wie beim Bouldern gilt: Je höher Zahl und Buchstabe, desto schwerer. Ein Plus wertet zusätzlich auf. Warum du dir diese Skala merken solltest? Die französische Skala wird beim internationalen Sportklettern verwendet und ist in Europa ziemlich verbreitet. Wir sind ihr zum Beispiel in Sardinien auf den Leim gegangen, weil wir sie mit der UIAA-Skala aus der heimischen Kletterhalle verwechselt haben.

Fazit: Die französische Skala reicht von 1 bis 9c und wird beim internationalen Sportklettern verwendet. Sie ist innerhalb Europas in vielen Ländern gängig – vor allem im Süden. 

Ordnung ins Chaos: So sieht das Ganze als seriöse Tabelle aus (Quelle: DAV).

 

Must-Know für für Sportkletterer #2: Die UIAA-Skala

Die Skala, die wahrscheinlich die meisten von euch aus der Kletterhalle kennen, ist die UIAA-Skala. Sie bezieht ihre Grade und ihren Namen von der internationalen Klettervereinigung Union Internationale des Associations d’Alpinisme und reicht von 1 bis 12. In Westdeutschland ist sie sehr, in Europa ziemlich verbreitet. Auch sie wird in arabischen Zahlen dargestellt, kommt aber ohne Buchstaben aus. Die Grade werden lediglich durch ein Plus (+) auf- oder durch ein Minus (-) abgewertet.

5.15 ausreizen? Margo Hayes hat das geschafft.

Ein Grad enthält also je drei Abstufungen, zum Beispiel 7-, 7 und 7+. Um Routen noch präziser zu beschreiben, werden außerdem manchmal Zwischenschritte verwendet. Eine 6+/7- zum Beispiel wäre eine knackige 6+ und eine eher leichte 7-. Auch in dieser Skala nimmt die Schwierigkeit mit den aufsteigenden Zahlen zu. Ganz grob lässt sich sagen, dass sich die Bereiche 1 bis 5 gut für Anfänger eignen, 6 bis 7 für Fortgeschrittene und 8 bis 10 für ziemlich starke Kletterer. Die Grade 10 bis 12 sind nur für absolute Ausnahmekletterer machbar und haben mit normalsterblichen Kategorien nichts mehr zu tun.

Fazit: Die UIAA-Skala reicht von 1-12 und wird in den meisten deutschen Kletterhallen verwendet. Auch in Österreich, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei und Ungarn ist sie gängig

WAR ja gar nicht so verwirrend. Was gibt es noch?

Wenn ihr euch diese zwei Kletterskalen (französisch und UIAA) und die Boulderskala (fb) merkt, seid ihr für den Anfang gut dabei. Zumindest gehört haben sollten Kletterer aber auch von der amerikanischen und der britischen Skala. Die Sierra-Skala kommt ausschließlich in den USA zum Einsatz und reicht von 5.0 bis 5.15c. Sie lässt sich gut umrechnen und man gewöhnt sich recht schnell daran. Die Briten sind da schon etwas spezieller und unterscheiden bei der Bewertung einer Route zwei Kategorien: Gesamtanspruch (Adjectival Grade) und technische Schwierigkeit (Technical Grade). Beide beziehen sich auf das traditionelle Klettern (Tradclimbing), das in Großbritannien deutlich verbreiteter ist als das Sportklettern. Findet man auf der Insel doch mal eine eingebohrte Tour, wird die französische Skala verwendet. Für den Rest aber gilt die britische Skala mit ihren zwei Werten. Der Adjectival Grade beschreibt das Gesamtbild der Route und berücksichtigt dabei Faktoren wie die Felsbeschaffenheit, Kraftausdauer, Sturzgefahr, Ausgesetztheit etc. Sie wird in Buchstaben und Zahlen von M bis E11 angegeben. Der Technical Grade hingegen berücksichtigt nur die technischen Anforderungen der Schlüsselstelle und reicht von 1 bis 7c.  Normalerweise steigt der Technical Grade mit dem Adjectival Grade, hingegen steigt der Gesamtanspruch nicht automatisch, wenn der technische Anspruch hoch ist. Das klingt etwas kompliziert, doch für Tradrouten ist diese Art der Bewertung durchaus hilfreich.

Daneben gibt es noch andere Skalen, etwa für Eis- und Mixedklettern oder technisches Klettern. Aber man muss es auch mal gut sein lassen…


Noch nicht genug? Hier gibt es eine hilfreiche Tabelle für den perfekten Überblick und hier einen netten Hintergrund-Artikel inklusive Grad-Umrechner.

 

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