Nach der Sonne greifen: Hochtour auf den Gran Paradiso

Auf einen 4000er stapfen, ohne jemals auf einem höheren Berg gewesen zu sein. Dabei auch noch eine Jugendgruppe betreuen und atemberaubende Fotos schießen. Klingt, als könnte so ein Plan niemals gut gehen. Ging er aber. Bei Simons Tour auf den Gran Paradiso im Aostatal, dem höchsten Berg, der vollständig auf italienischem Boden steht. Lisa hatte da mal ein paar Fragen.

Simon, du bist mit einer Gruppe Jugendlicher auf den Gran Paradiso gestapft. Wie kam es dazu?

Mein ehemaliger Sportlehrer hat ein halbes Jahr vorher gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, eine Sport-Studienfahrt als Betreuer zu begleiten. Er konnte nicht genügend Lehrer dafür gewinnen. Ein paar Jahre zuvor war ich schon bei einer Ski-Freizeit meiner ehemaligen Schule dabei – und auf eine Gletschertour hatte ich eh schon lange Lust.

Es war deiner erster Gipfel über der 4000er-Grenze. War das was besonderes für dich?

Es war sogar der erste über 3000. Und wohl auch der erste, der deutlich über 2000m liegt. Also komplettes Neuland, an das wir uns über einige Eingeh-Touren herangetastet haben. Der schönste Moment der Tour war definitiv der erste Sonnenstrahl, der uns am frühen Morgen über den Grat erreicht hat. Ein Sonnenaufgang, umgeben von Eis und Schnee, ohne etwas um sich herum, das ist echt der Wahnsinn.

Ist es nicht sau schwer, sich auf’s Fotografieren und Bergsteigen gleichzeitig zu konzentrieren?

Definitiv. Vor allem, wenn man eine Seilschaft anführt und dabei auch noch eine gewisse Verantwortung trägt. Das hat dann klare Priorität. Drum habe ich mich auch stark zurückgehalten und meistens die Verschnaufpausen zum Fotografieren genutzt.

Welches ist dein Lieblingsbild von dieser Tour und in welchem Moment ist es entstanden?

Ganz klar das Foto der Seilschaft vor uns, kurz nachdem wir in einem Steilstück überholt wurden. Zu zweit ist man eben doch etwas schneller im Anstieg als mit 25 Leuten. Der Pfad vor uns, beinahe direkt in die Sonne hinein – das ist mein Desktop-Hintergrund und das Aufmacher-Foto meiner Website.

Hat die Besteigung Lust auf mehr gemacht? Hast du neue Ziele in größeren Höhen?

Definitiv, auch wenn die Zeit in dieser Saison Job-bedingt extrem knapp ist. 2017 war ich auf dem Breithorn, das vom Aufstieg her zwar deutlich einfacher ist, aber auch ein tolles Erlebnis war. Ich bin allerdings nicht im Höhenmeter-Rausch – eine tolle Tour auf 2000m finde ich auch grandios. Trotzdem stehen für 2018/19 noch einige Ziele auf meiner Liste. Nach der Gatterl-Tour im letzten Jahr würde ich gerne die Zugspitze nochmal über das Höllental besteigen, außerdem mit einem damals leider gesundheitlich verhinderten Freund und meiner Freundin noch ein zweites Mal auf den Gran Paradiso gehen. Und irgendwann vielleicht auch auf den Mont Blanc, aber das ist noch recht ferne Zukunft.