Lieblingsteil #3: Franzi und ihr Outdoor-Smartphone

Kälte, Nässe, Stürze und keine Steckdose weit und breit: Moderne Smartphones sind nicht für Abenteuer in der freien Natur gemacht. Franzi wollte sich damit nicht abfinden – und machte sich auf die Suche nach einem Kompromiss zwischen Handysucht und Outdoorliebe.

Früher bin ich oft mit einem Buch auf Bäume geklettert, um auf einem Ast in der Sonne zu lesen. Wenn ein paar Seiten beim Abstieg zerknickten, war das schade, aber kein finanzieller Ruin. Als teure, zerbrechliche Smartphones aufkamen, dachte ich: Wenn ich mir so eins kauf, muss ich immer darauf aufpassen. Ich könnte nicht mehr spontan mit Klamotten in einen See springen oder funktionsjackenlos durch den Sommerregen heimradeln, ohne mich um das teure Gerät in meiner Tasche zu sorgen. Besonders über Menschen, die gläserne Smartphones kauften, die beim ersten Sturz zersprangen, wunderte ich mich. Erst hielt ich trotzig an meinem Motorola-Knochen fest, der unzerstörbar und ein Notfall-Flaschenöffner war.

„Ich könnte nicht mehr spontan mit Klamotten in einen See springen oder funktionsjackenlos durch den Sommerregen heimradeln, ohne mich um das teure Gerät in meiner Tasche zu sorgen“

Schließlich kaufte ich mir doch ein Smartphone. Und versuchte, darauf aufzupassen. Das klappte so mittelgut. Einmal hätte ich es sogar beinahe geschafft, es in der iranischen Wüste zu ertränken. Meine Tasche baumelte in den Bach einer Oase, die Geldscheine hatten sich schon vollgesogen. Ein anderes ist mir bei einer mehrstündigen Kraxelei bachaufwärts aus der Hosentasche gefallen. Kurz suchte ich danach, gab aber schnell auf. Das Bachbad hätte es vielleicht überstanden, aber auffindbar war es nicht, und wir mussten vor der Dunkelheit zurück.

Ich war mittlerweile durchschnittlich Smartphone-süchtig, aber ich wollte meine Lebensweise nicht an ein Handy anpassen. Ich wollte also ein Phone, das Stürze übersteht, wasserdicht ist – und das man anleinen kann. Der letzte Punkt war die größte Herausforderung. IP-68 für Wasser- und Staubdichtigkeit haben inzwischen einige Modelle, aber einen Haken oder eine Öse hat so gut wie kein Smartphone. Schließlich fand ich eines von Blackview, das BV6000. Mit einer Gleitschirmschnur kann ich es bei Klettertouren an meiner Kleidung befestigen, in der Luft Bilder machen, ohne Angst zu haben, dass ich es verliere. Wie schade wäre es, auf einer Tour in Not zu geraten, das Handy herauszuholen, um Hilfe zu rufen – und es fallen zu lassen. Noch bin ich nicht im Baum gelandet oder im Gebirge verschollen. Aber ich habe mich ein bisschen sicherer gefühlt. Die lange Akkulaufzeit hat sich beim Biwakieren schon bewährt: Bei mittlerer Nutzung hält es zwei Tage lang durch, im Flugmodus etwa eine Woche.

Was in den Bergen nützlich ist, schadet auch im Alltag nicht. Bei intensivem Bluetooth-Wlan-Spiel-Gebrauch und vielen Telefonaten hält der Akku immerhin bis abends durch. Die Schnur lässt mich das Handy in meiner Tasche schneller finden. Ich muss mich nicht ärgern, wenn das Handy beim Kofferraum-Auspacken in den Schnee fällt oder von der Bettkante auf den Boden. Beim Kochen kann ich auch mit Knödelhänden das Rezept auf dem Display nachschauen – danach spüle ich es einfach ab, unter laufendem Wasserhahn. Ich kann Wasserschlachten fotografieren und wieder mit Klamotten und Handy in der Tasche in den Bergsee springen, schöne, gedankenlose Momente dokumentieren. Künstlerisch wertvoll werden die Bilder leider nicht, denn die Kamera ist nicht brillant.

„Es gibt mir Sicherheit und erlaubt mir Gedanken-losigkeit. Das wiegt für mich schwerer als das Handy selbst.“

Das ist einer von mehreren Nachteilen, die das Handy hat. Es ist ein Brocken. Es wiegt fast 250 Gramm ­- mehr als leichte Stöcke. Es ist hässlich. Es fällt auf. Ich wurde bestimmt 50 Mal gefragt, was ich da für eine Hülle habe – natürlich auch ein Gesprächseinstieg. Die Bedienung ist etwas ruppig, mein erster Eindruck beim Schreiben war, dass ich die Tastatur auf dem Display mit meinen Fingern boxen muss, nicht antippen. Es passt in keine Frauenhosentasche. Man kann kein Ladegerät ausleihen, falls das eigene zu Hause neben dem Bett liegt. Damit es wasserdicht ist, hat es einen anderen Anschluss als die Norm – aber laden muss man es ja nicht oft.

Die Soundqualität ist leider eine mittlere Katastrophe. Über Kopfhörer geht es noch halbwegs, über den Lautsprecher hört man lieber keine Musik. Bei Regen muss man deshalb ohne Soundtrack radeln. Denn wenn Kopfhörer angeschlossen sind, kann Wasser über den Anschluss ins Handy laufen. Es ist nur dicht, wenn er verschlossen ist. Bei den Folgemodellen sollen Kamera und Sound wohl besser sein, dafür haben sie wiederum keine Öse.

Dafür war mein Handy wesentlich billiger als die bekannteren Marken. Es gibt mir Sicherheit und erlaubt mir Gedankenlosigkeit. Das wiegt für mich schwerer als das Handy selbst. An das Boxen habe ich mich gewöhnt, Fingerkraft hab ich vom Klettern eh.

 

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