Wo die wilden Wechten wohnen – Skitour auf das Hintere Sonnwendjoch

Auf der Suche nach ein paar Höhenmetern, Sonnenstrahlen und lohnenden Schwüngen sind wir am Hinteren Sonnwendjoch gelandet. Immerhin zwei von drei Wünschen wurden uns an der Südseite des höchsten Gipfels der Bayerischen Voralpen erfüllt.

VON WO NACH WO:  Geparkt wird am Mauthäusl (760 m) bei Wacht an der Verbindungsstraße Bayrischzell/Thiersee. Auf der Mautstraße geht es ein ganzes Stück taleinwärts, bis die Route nach der Stallenalm rechts auf den Sommerweg in Richtung Sonnwendjoch abzweigt. Der Weg schlängelt sich eine Weile durch den Wald und schließlich durch freies Gelände zur Wildenkaralm hinauf. Von dort laufen wir nach Westen in den Schnittlauchgraben und durch eine weite Senke hinauf zum Sattel zwischen Burgstein und Sonnwendjoch. Wegen der großen Wechten erklimmt man das Steilstück ganz am linken Rand. Oben angekommen quert die Route zum Grat links des Gipfels und dann entlang des Kamms zum höchsten Punkt (1986 m).

WIE HOCH, WIE WEIT, WIE LANG: 1250 Hm, 8 km, im Aufstieg ca. 3,5 bis 4 Stunden.

WIE SCHWER: Die Tour zieht erst gemütlich die Forststraße entlang, dann steile Hänge querend den Wald empor. Je nach Schneelage kann die Steilpassage zum Sattel oberhalb des Schnittlauchgrabens etwas heikel werden. Vorsicht ist vor allem bei Triebschnee geboten. Das letzte Stück zum Gipfel ist eigentlich gut zu gehen, kann aber vereist und abgeblasen sein.

WIE WAR’S: Höhenmeter: Check. Genussvolle Schwünge: Check. Sonne: na ja. Ein paar Strahlen haben uns zwischenzeitlich die Backen gestreichelt, aber so richtig konnten sie sich nicht gegen das Wolkengrau behaupten. Machte aber nichts. Die Tour führt durch wirklich schöne Flecken, allerdings erkauft man sich die reizvollen Streckenabschnitte mit einem langen Hatsch entlang der Mautstraße. Oben angekommen beeindrucken die Felswände des Schnittlauchgrabens und ein feiner Panoramablick vom Sonnwendjoch. Vor allem das Gelände vom Gipfel bis zur Wildenkaralm macht auch in der Abfahrt großen Spaß.

WEN TRIFFT MAN DA: Nette ältere Herren, die bei der Brotzeitpause an der Wildenkaralm oder am Gipfel zum Ratschen aufgelegt sind.

DAS MUSS MIT: Eine winddichte Jacke – spätestens am Sattel kann es ziemlich blasen. Außerdem genügend Brotzeit: Der Weg zieht sich und Verpflegung gibt es erst wieder im Tal.

GRUSELMOMENT: Kleine Adrenalinstöße am letzten Aufschwung zum Gipfel. Die Spur ist so vereist, dass die Felle immer wieder ihren Dienst versagen und die Ski nach hinten durchrutschen. Irgendwann (ok, es hat eine ganze Weile gedauert) die hilfreiche Erkenntnis: Man könnte ja auch neben der Spur gehen.

BESSER NICHT: Die Wechte am Sattel zu weit rechts angehen. Der obere Teil des Hangs wird ziemlich steil und bei Neu- bzw. Triebschnee kann man dort leicht ins Rutschen kommen. Auch am Gipfel wohnen einige Wechten, da sollte man lieber nicht zu weit zur Seite ausweichen.

SCHLEMMEN: Üppige Brotzeitplatten und selbstgebackene Kuchen gibt’s im Café Krugalm in Fischbachau. Ist leider auch kein Geheimtipp mehr. Aber im Gegensatz zum Winkelstüberl trifft man dort die einheimischen statt der in Reisebussen angekarrten Rentner.

MEHR DAZU: Tourenbeschreibung und GPS-Track gibt’s hier.

Bewertung: 3 von 5 Namensgebungspunkten (Schnittlauchgraben, wie schön!)

 

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