Am Schicksalsberg – Skitour auf den Schafreuter

Diese Expedition würde Geschichte schreiben, das war allen Teilnehmern von Beginn an klar. Schon einmal war einer von ihnen an der Westflanke des Schafreuter gescheitert. Für ihn würde es nur noch einen Versuch geben, seinen Schicksalsberg zu bezwingen. Denkwürdiger Gipfelsieg oder endgültiges Scheitern – es stand viel auf dem Spiel bei diesem alles entscheidenden Versuch. Logisch, dass wir da mit von der Partie waren.

VON WO NACH WO: Los geht’s kurz hinter der Oswaldhütte im Rißtal bei einer Garage am Straßenrand. Von dort führt die Tour auf einem Forstweg an der Mooslahner Alm vorbei über die Westflanke zum Gipfel (2100 m).

WIE HOCH, WIE WEIT, WIE LANG: 1250 Hm, 12 Km, ca. 3 Stunden im Aufstieg.

WIE WAR’S: Nach fünf Energieriegeln und zwölf Verschnaufpausen muss sich Theo eingestehen, dass er den Schafreuter an diesem Tag nicht besteigen wird. Kurz vor dem Gipfel sind die letzten Reserven beinahe verbraucht und eine kraftraubende Abfahrt liegt noch vor ihm. Enttäuscht, entkräftet und entmutigt macht er mit seinem Begleiter kehrt. Im Geiste schwört er sich, zurückzukehren und seinen Schicksalsberg doch noch zu bezwingen. Zeitsprung. Ein Jahr später: Zweite Trinkpause, Theo ist hoffnungsvoll. Nur noch 300 Höhenmeter liegen vor ihm und erst der zweite Energieriegel wurde verzehrt. Hatte er sich bis jetzt zurückgehalten und zu einem moderaten Tempo gezwungen, so lässt er seinem Übermut nun freien Lauf. Im Laufschritt eilt er dem Gipfelaufschwung entgegen, bald ist er für seine Begleiter nur noch ein einsamer Fleck am Horizont. Beim Wiedersehen am höchsten Punkt blicken sie dann in ein strahlendes Gesicht. Die Geschichte wurde neu geschrieben, der Schicksalsberg bezwungen, die Heldentat vollbracht. Hosianna in der Höhe!

WIE SCHWER: Die Skitour führt technisch einfach über Forstwege und breite Hänge, die kaum Spitzkehren erfordern. Auf dem letzten Abschnitt des Rückens ist Vorsicht geboten: Auf der linken Seite wuchern Wechten, die schlecht als solche zu erkennen sind. Für die letzten Höhenmeter über den kurzen Grat zum Gipfel müssen die Ski abgeschnallt und die Skistiefel eingesetzt werden. Dieses Stück erfordert je nach Schneelage mehr oder weniger Trittsicherheit.

DAS MUSS MIT: Energieriegel, Kamera für den Fotobeweis des Gipfelsieges.

SCHÖNSTER FLECK: Irgendwie mag uns die Sonne diesen Winter nicht. Oder wir planen unsere Touren schlecht. Weil die beste aller Sportarten aber auch bei trübem Wetter und schlechter Sicht noch Laune macht, sind wir bei diesem Ausflug wieder begeistert durch die Suppe gestapft. Zum gemütlichen Verweilen haben die Bedingungen allerdings nicht eingeladen. Theoretisch würde der Gipfel mit einem tollen Rundum-Blick locken. In unserem Fall wird aber das Waldstück etwas weiter unterhalb zum schönsten Fleck gekürt, weil es trotz großem Andrang noch ein paar Meter unberührten Tiefschnees für uns bereitgehalten hat.

WEN TRIFFT MAN DA: Halb München auf Skiern. Seit eine Forststraße zu den Almen führt und das zuvor unangenehm steile Waldstück bequem abgefahren werden kann, hat die Tour deutlich an Beliebtheit gewonnen.

DAS HÄTTEN WIR BESSER VORHER GEWUSST: Dass Theo so gut in Form ist. Sonst hätten wir es uns gespart, einen kalten Schweinebraten, drei Leiber Brot und 23 Energieriegel auf den Berg zu tragen.

GRUSELMOMENT: Alles ist weiß. Oben weiß, unten weiß, links und rechts: weiß. Und wir stranden im Weiß, im Unklaren, wo genau unsere Abfahrt liegt. Halten wir uns zu weit links, enden wir im waldigen Steilgelände. Kommen wir zu weit nach rechts, stürzen wir mit massigen Wechten in die Tiefe. Gut, dass wir schon reichlich Erfahrungen mit Touren durch’s Wolken-Nebel-Grau gesammelt haben: Der GPS-Track weist den Weg in die richtige Waldschneise.

BESSER NICHT: Von der Routenempfehlung des DAV Projektes „Skibergsteigen umweltfreundlich“ abweichen. Rund um den Schafreuter leben Rauhfußhühner, die vom Aussterben bedroht sind und in den Wildschutzgebieten ihre Ruhe suchen. Um Energie zu sparen, beschränken die Tiere ihre Aktivitäten im Winter auf ein Minimum. Werden sie von juchzenden Skifahrern aufgeschreckt und zur Flucht gezwungen, bedeutet das Stress und Energieverlust mit potenziell tödlichen Folgen.

SCHLEMMEN: Energie-Bombe- und Schoko-Banane-Riegel.

MEHR DAZU: Wegbeschreibung und GPS-Track gibt’s hier.

Bewertung: 5 von 5 Piolet d’Or-Anwärter-Punkten

 

MerkenMerken