Winter(t)raum – Skitour im Griesner Kar

Diese Stippviste bei der Fritz-Pflaum-Hütte hatte es in sich: kiloweise Holz auf dem Buckel, magische Nebel-Licht-Momente, Tetrapack-Wein und Flachmann-Whiskey, nackte Winterraum-Genossen und sportliche Spitzkehren. Am Ende steht fest: Wir kommen wieder.

VON WO NACH WO: Vom Parkplatz Griesenau mit den Skiern oder dem Shuttleservice der Griesener Alm (5 Euro, davon 3 Euro Verzehrgutschein) bis zum Gasthaus. Ab Ostern ist die Mautstraße geöffnet und man kann mit dem eigenen Auto weiterfahren. Von der Alm aus den Schildern Richtung Fritz-Pflaum-Hütte folgen. Wer noch etwas Platz im Rucksack hat und/oder den Winterraum nutzen will, nimmt vom Holzdepot am Weg einige Scheite mit. Im Kar links halten, bis die Hütte auftaucht. Gegenüber führt eine steile Nordrinne zum Schönwetterfensterl.

WIE HOCH, WIE WEIT, WIE LANG: 1200 Hm, 4 Km, ca. 3,5 bis 4 Stunden im Aufstieg.

WIE WAR’S: Eigentlich hatte uns der Wetterbericht ja Sonne versprochen. Dass wir mal wieder durch den Nebel gestapft sind, hat uns aber irgendwie nicht groß gewundert. War ja nicht das erste Mal. Weiter oben dann zum ersten Mal die Vorahnung: Könnte es eventuell, ganz vielleicht sein, dass sich der Nebel lichtet? Vorfreudig schrauben wir uns den Hang hinauf. Das Licht wird diffuser, die Stimmung verändert sich, ein magischer Moment bahnt sich an: Erste Strahlen fallen durch wabernde Schleier.  Wir bleiben stehen und staunen. Nur ein paar Schritte trennen Wolkengrau von Sonnenglück. Vor der Selbstversorgerhütte genießen wir  die Wärme das Nachmittags. Und wir sind nicht die Ersten dort: Eine bunte Mischung Bergvolk, das sich nicht zu schade war, gewichtsoptimierte Alkoholvorräte (sprich Hochprozentiges) bergauf zu tragen, versammelt sich abends in der Stube. Der Raum ist so voll, dass die Stimmung innerhalb kürzester Zeit einer WG-Küchenparty gleicht. Zum Glück pocht niemand auf die Hüttenruhe. Und zum Glück findet sich ein entspannter Trupp, der bereitwillig auf den Bänken schläft. Am nächsten Morgen (ok, sagen wir: Vormittag) ziehen wir los in Richtung Schönwetterfensterl. Ein Ziel, das ambitioniert genug ist, angesichts der kurzen Nacht und der Flüssigkeitszufuhr des Vorabends. Wären wir fitter, wir hätten noch viele Tourenmöglichkeiten mehr, hier im Griesner Kar, etwa die Goinger Scharte oder das Kleine Törl. Es hilft nichts, wir müssen wohl wiederkommen.

WIE SCHWER: Der Rucksack: sehr schwer. Die Tour: mittelschwer bis schwer. Bis zur Fritz-Plaum-Hütte geht es zwar eher steil, aber trotzdem recht entspannt bergauf. Wer keine Spitzkehren kann, dreht entweder um oder beherrscht sie spätestens an der Hütte. Von dort geht es durch eine enge und zum Teil 45 Grad steile Rinne zum Schönwetterfensterl hinauf – je nach Schnee in vielen Kehren oder mit Ski am Buckel. Abrutschen möchte man beim Aufstieg nicht und auch in der Abfahrt sollte man sicher auf den Latten stehen. In jedem Fall erfordert die Tour sichere Verhältnisse und vor allem bei hartem Schnee eine gute Geh- und Skitechnik.

DAS MUSS MIT: Hüttenschlafsack (Decken gibt’s oben), Holz (für den Ofen), Teebeutel (um das Schneewasser aufzupeppen), Zutaten für ein Hüttenessen (das die Winterraumkollegen weinen lässt). In unserem Fall: Pilzrisotto mit ordentlich Zwiebeln, Knoblauch, Weißwein und viiiiiiel Parmesan.

SCHÖNSTER FLECK: Das Brotzeitbankerl vor der Hütte in der Mittagsonne (nur getrübt von kleinen Dachlawinen, die Anschläge auf unser Käsebrot verüben wollten).

WEN TRIFFT MAN DA: Durchtrainierte Jungs, die sich nackt über eine selbstgebaute Schanze stürzen und abends im Winterraum die Bilder ihres „Propellerfluges“ herumzeigen. Ambitionierte Skibergsteiger, die zum Abendessen ihre ultraleichte Packerlsuppe löffeln. DAV-Jugendgruppen, die sich angesichts der alkoholisierten Stimmung früh ins Lager verkrümeln.

DAS HÄTTEN WIR BESSER VORHER GEWUSST: Dass der Holzvorrat der Hütte gut gefüllt ist. Dann hätten wir uns vielleicht nicht ganz so viele Scheite aufgeladen. Und dass wir keine dicken Schlafsäcke brauchen würden. Viele Decken im Lager und viele Menschen in der Stube haben uns eingeheizt.

GRUSELMOMENT: In diesem Fall brauchen wir Mehrzahl: Momente. Denn das Adrenalin schießt uns mehr als einmal durch den Körper bei abrutschenden Skiern und wackeligen Spitzkehren in der steilen Rinne.

BESSER NICHT: Zu spät an der Hütte aufschlagen. Dann ist womöglich das Lager schon voll.

SCHLEMMEN: Risotto, Wein aus dem Tetrapack, Whiskey aus dem Flachmann, Nüsse, Schokolade, Kuchen. Wer viel schleppt, hat viel zu genießen. Selbstgetragen und selbstgekocht – in dieser Kombination schmeckt es doppelt gut.

MEHR DAZU: Wegbeschreibung und GPS-Track gibt’s hier.

Bewertung: 5 von 5 erleuchtungspunkten

 

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