Grüezi wohl! Skispaß im Prättigau

Schon meine Großeltern zogen jahrzehntelang rund um das Graubündener Dörfchen Serneus ihre Schwünge durch den Schnee. Auch die folgenden (inzwischen drei) Generationen der Familien tingeln Jahr für Jahr ins Prättigau, um sich dort eine Woche lang gemeinsam auf Skiern zu vergnügen. Unsere liebsten Variantenabfahrten und Skitouren verraten wir hier.

Freeriden rund um Klosters

Klosters wurde als Ferienort schon vor über 100 Jahren bekannt. Heute lockt dort ein weitverzweigtes, gut ausgebautes und trotzdem nicht überlaufenes Netz an Skigebieten die Winter-Touristen an. Und auch für Freerider ist das Eck schon lange kein Geheimtipp mehr. Weil die sich aber auf unzählige Tiefschneeabfahrten verteilen, finden sich auch Tage nach dem letzten Neuschnee noch viele Hänge, die nicht völlig zerpflügt wurden. Zum Beispiel hier:

Vom Seetäli zur Schifer-Talstation

Vom Ausstieg des Schleppliftes Seetäli schieben wir ein Stück in Richtung Norden seitlich den Hang entlang. Sobald es steiler wird, schnallen wir die Ski ab und stapfen auf den Grat, der nach rechts zum Gipfel der Casanna (2560m) führen würde. In der breiten Rinne, die sich auf der Rückseite des Grats auftut, geht’s hinunter. Eine schöne Abfahrt, die noch lange mit gutem Schnee aufwarten kann. Wer nach dem ersten Stück nicht genug hat, hält sich am Ende der sanften, weiten Hänge links, quert den Ziehweg der Piste und stürzt sich weiter geradeaus in den Pulver.

Vom Gotschnagrat zur Mittelstation der Gotschnabahn

Wer diese Abfahrt wählt, muss A) den Lawinenlagebericht eingehend studiert haben, B) sicher auf den Skiern stehen und C) mit Publikum klarkommen. Denn die Route verläuft direkt unterhalb der Bergbahn, die im regelmäßigen Takt für Zuschauer sorgt. Die steile Wand sieht von der Gondel zwar spektakulärer aus als am Ausgangspunkt, fallen will man bei dieser Abfahrt trotzdem nicht. Dafür ist die Wegfindung einfach: Von der Bergstation am Grat entlang, dann bei der ersten Möglichkeit in den Hang queren und immer bergab zur Mittelstation. Bei gutem Schnee lohnt sich auch die markierte und gemütliche Verlängerung bis zur Talstation über den Gotschnaboden.

Vom Schafcalanda nach St. Antönien

Diese Abfahrt lohnt sich sehr, allerdings nur als letzte Unternehmung des Tages. Denn sie führt weit weg vom Skigebiet Madrisa in ein kleines Bergdorf, das in einem Tal abseits des Pistenrummels wohnt. Von hier fährt zwar ein Bus zurück zu den Talorten des Skigebiets, aber nicht besonders oft (max. stündlich, über weite Strecken des Tages noch seltener) und auch nicht besonders schnell (30 Minuten bis Küblis und von dort nochmal 15 Minuten mit dem Zug nach Klosters). Zum krönenden Tagesabschluss tingeln wir zur Bergstation des Schlepplifts Schafcalanda knapp unterhalb des Madrisahorns. Von hier tragen wir die Ski bis zum Rätschenjoch. Links führen ebenfalls lohnende Tiefschneeabfahrten zurück ins Skigebiet, wir aber halten uns rechts und fahren durch eine beeindruckende, unverbaute Berglandschaft fast 1200 Hm bis zum malerischen Bergdorf St. Antönien ab. Dort gönnen wir uns einen Kakao – und warten auf den Bus.

Skitouren in St. Antönien

Apropos St. Antönien. Obwohl winzig und entlegen, ist der Ort doch ein Schwergewicht in Sachen Skitouren-Auswahl und wird nicht umsonst häufig als Eldorado der Wintersportler bezeichnet. Ein Geheimtipp ist  St. Antönien folglich nicht mehr, das macht das Dorf als Ziel allerdings nicht unattraktiver: Durch seine Höhe gibt es lange guten Schnee, seine vielen Seitentäler bieten Touren jeder Länge/ Schwierigkeit/ Exposition und auch bei angespannter Lawinenlage gibt es noch ein paar Hügel, die sich besteigen lassen. Einziges Problem: Wie sollen wir da nur eine Auswahl treffen? Wir picken willkürlich drei heraus und geben euch die anderen als kurzen Zuruf mit auf den Weg: Sulzfluh, Girenspitz, Alpbüel, Jägglischhorn, Riedkopf, Eggberg…

Hasenflüeli (2412m)

Schattige, nicht allzu steile Hänge bescheren uns bei dieser Tour immer wieder großen Abfahrtsspaß. Und im Aufstieg eine kurze alpine Einlage: Der Gipfel der markanten, an Hasenohren erinnernden Felstürme will ohne Ski, dafür mit Handeinsatz erklommen werden. Wer will, kann die Tour verlängern und mit einem Abstecher auf den Eggberg verbinden. Bei Pulverschnee ist die Abfahrt in`s Gafiental zu empfehlen, bei Firn lohnt sich die Abfahrt nach Ascharina.

Schafberg (2456m)

Auch das: eine Genusstour. Nicht zu flach, nicht zu steil. Nicht zu kurz, nicht zu lang. Nicht zu leicht, nicht zu schwer. Dazu kommen eine landschaftlich reizvolle Hochebene, ein herrlicher Blick auf die Felswände der Sulzfluh und eine skifahrerisch lohnende Abfahrt. Wer ein bisschen mehr Zeit mitbringt, kann die Tour mit einem Abstecher zur nahen Girenspitze verbinden. 

Chrüz (2196m)

Wir sind etwas in der Zwickmühle. Einerseits würden wir euch diese Tour gerne für Schönwetter-Tage empfehlen, weil die Aussicht vom Gipfel einfach gigantisch ist. Von dort oben ist fast das ganze Prättigau und sein imposanter Rätikon-Kamm im Norden zu sehen. Andererseits lockt der überschaubar lange und überschaubar schwere Aufstieg nicht wenige Tourengeher an, so dass sich die Besteigung vor allem für suppige oder lawinengefährliche Tage eignet. Ach, entscheidet selbst. Und genießt den gezuckerten Winterwald, die sanft geschwungenen Bergrücken und perfekt steilen oberen Hänge.


Weitere Infos gibt’s hier:

 

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