Weißgräber – Skihochtour im Monte Rosa

Johann Vincent war auf der Suche nach Gold, als er einst auf die Vincentpyramide stapfte. Uns gelüstete es im Gegensatz zu dem Erstbegeher des Gipfels eher nach Weiß. Und Blau. Und Grau. Und wir wurden fündig: Schnee, Himmel, Fels – alles da. In rauen, herzklopfgroßen Mengen.

VON WO NACH WO: Von Staffal geht es für 35 Euro mit dem Skilift zum Punta Indren (3.275 m). Von dort ist die Gnifetti-Hütte nach einer kurzen Gletscherüberschreitung und 370 Höhenmetern erreicht. Auf einem Rücken zwischen Lys- und Garstelet-Gletscher gelegen (3.647 m), ist sie ein hevorragender Ausgangspunkt für die unzähligen Skihochtouren, die das Monte-Rosa-Gebiet eröffnet. Zur Vincentpyramide führt die Route über ein Plateau zum Lysgletscher, dann bei einer Rampe nach links, bis zum Schneetal und über den nordwestlichen Hang auf den Gipfel. Zum gegenüberliegenden Balmenhorn (4.167 m) geht es über einen Grat, der den Felsblock mit dem Schwarzhorn verbindet, und über eine kurze, seilversicherte Stelle zum höchsten Platz.

WIE HOCH, WIE WEIT, WIE LANG: Von der Gnifetti Hütte rund 700 Höhenmeter und 2 Stunden, zum Balmenhorn nochmal ca. 150 Höhenmeter extra.

WIE WAR’S: Es ist uns mal wieder gelungen. Wir stehen am Punta Indren und versinken im Nebel. Schritt für Schritt tappen wir dem Pfeil des GPS-Geräts nach. Immer wieder bleiben wir stehen, orientieren uns neu, suchen Spuren und gleichen die Karte mit der weißen Wirklichkeit ab. Nach einem unerwartet langwierigen Aufstieg empfängt uns die spektakulär gelegene Hütte mit gemütlichen Zimmern, Plumps-Stehklos, netten Menschen und einem üppigen Abendessen. Über Nacht macht sich die Höhe bald bemerkbar: Kopfweh, Herzklopfen und ein flauer Magen nehmen dem Wecker am Morgen sein Drohpotential. Draußen peitscht der Wind die Wolken weg. Wir können uns über die Sicht freuen, auch wenn er uns die Kälte in die Glieder bläst. Zum Glück ist es nicht weit bis auf die Gipfel und die Abfahrt trotzdem ein Genuss. Wer etwas Zeit und bessere Bedingungen hat, nimmt nach Vincentpyramide und Balmenhorn noch Zumsteinspitze, Signalkuppe und Co. mit. Nirgendwo sonst liegen die 4000er schließlich so auf dem Präsentierteller wie hier im Monte-Rosa.

WIE SCHWER: Vincentpyramide und Balmenhorn sind zwei der leichtesten 4000er, die man im Winter in den Walliser Alpen besteigen kann. Die Skihochtour ist technisch sehr einfach – aber natürlich mit allen Gletscher- und Hochgebirgsgefahren ausgestattet. Zur Hütte und zum Balmenhorn müssen kurze, seilversicherte Stellen erklommen werden.

SCHÖNSTER FLECK: Der Platz vor dem Kachelofen in der Stube. Da erholt es sich am schnellsten von windigen -18 Grad.

WEN TRIFFT MAN DA: Rosenheimer, die das Kartenspiel UNO auf das nächste Level gehoben haben. Japaner, die ihre Bergführer zur Verzweiflung bringen. Italiener, die Fangesänge für das Hüttenpersonal anstimmen.

DAS HÄTTEN WIR BESSER VORHER GEWUSST: Dass das Risotto beim Abendessen nur die Vorspeise ist und wir danach noch zwei weitere Gänge vorgesetzt bekommen. Zu blöd, beim Hauptgang waren wir fast schon satt.

GRUSELMOMENT: Wir holen unser Gepäck von der Hütte, gönnen uns noch ein feines Heißgetränk (siehe Schlemmen) und vertrödelnd dabei die Mittagszeit. Endlich fertig bepackt, klettern wir den Felsabsatz am Fixseil hinunter und stehen in einem schön bestrahlten, steilen Hang. Der erste Schwung fällt etwas verhalten aus. Die Schneedecke trägt. Glück gehabt.

DESHALB BESSER NICHT: Zu spät losziehen. Der Hang unterhalb der Hütte kann in der Nachmittagssonne heikel werden.

SCHLEMMEN: Auf der Gnifetti-Hütte unbedingt einen Kakao bestellen – der hat die Bezeichnung heiße Schokolade nämlich überaus verdient. In der Tasse kommt eine dickflüssige, sehr schokoladige Creme mit einer dicken Portion Sahne obendrauf.

MEHR DAZU: Eine ausführliche Wegbeschreibung gibt’s hier.

Bewertung: 0 von 5 Goldsucherfolgspunkten

 

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