Segen oder Sünde? Zur Nachhaltigkeit von Outdoor-Klamotten. Folge 2: PFC & Mikroplastik

Was haben unsere Regenjacken mit Pinguinkacke und Eisbärblut zu tun? Und warum ist das wichtig? In der zweiten Folge unserer Nachhaltigkeits-Serie hat Steffi zum Thema Mikroplastik und Chemikalien nachgeforscht. Denn um Klamotten wasserabweisend und atmungsaktiv zu machen, werden sie beschichtet. Für Natur und Gesundheit birgt das einige Gefahren.

Fitte Menschen, die in Neonfarben gekleidet Berge hinauf stapfen. Vorbei an glasklaren Flüssen und märchenhaften Wäldern, immer vor spektakulärer Kulisse und den Gipfel im Blick. Ob peitschender Sturm, strömender Regen oder knallende Höhensonne – nichts kann den optimal ausgerüsteten Abenteurer aufhalten.

So oder so ähnlich präsentieren die Hersteller von Outdoor-Kleidung ihre Produkte. Was die schönen Werbebilder aber nicht erzählen: Viele Regenjacke, Rucksäcke und Co. schaden der Natur. Denn um Textilien wasserfest und atmungsaktiv zu machen, werden oft gefährliche Chemikalien eingesetzt. Umweltorganisationen wie der Naturschutzbund oder Greenpeace prangern das schon seit Jahren an.

Vor allem  perfluorierte und polyfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFC) sind problematisch. Diese chemischen Verbindungen werden in der Umwelt nur über sehr lange Zeiträume abgebaut und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Nach einer Untersuchung von Greenpeace kann PFC mittlerweile vom Schnee in den Alpen bis in die Tiefen der Meere nachgewiesen werden. Besonders erschreckend ist, dass auch Tiere und Menschen die chemischen Verbindungen aufnehmen können. Sogar im Kot von Pinguinen aus dem Feuerland und dem Blut arktischer Eisbären kann mittlerweile PFC nachgewiesen werden.

Greenpeace hat zum Beispiel hat im Rahme seiner Detox-Kampagne 40 Outdoor-Kleidungsstücke von Markenherstellern auf Schadstoffe untersuchen lassen, die sich unter anderem in Gore-Tex Membranen befinden. Dabei fanden zwei unabhängige Labore in den Produkten von The North Face, Patagonia, Jack Wolfskin, Kaikkialla und Marmot bedenkliche Konzentrationen giftiger Perfluoroktansäure (PFOA). In den Jacken von Mammut und Vaude stellten die Tester zudem hohe Konzentrationen von Fluortelomeralkoholen fest.

Fairerweise muss man sagen: PFC sind streng genommen während des Tragens nicht gesundheitsschädlich, da sie nicht über die Haut aufgenommen werden können. Durch die Umwelt jedoch können die chemischen Verbindungen in Nahrung, Trinkwasser und Luft und somit in den menschlichen Organismus gelangen. Aktuelle Studien sehen einen Zusammenhang von PFC mit verminderter Fruchtbarkeit, Schilddrüsenerkrankungen und Immunstörungen. Greenpeace kritisiert vor allem, dass die Hersteller sich nicht um Alternativen zu PFC bemühen. Dabei gibt es durchaus PFC-freie Membranen, etwa „Sympatex„. Einige Hersteller haben mittlerweile auf die Vorwürfe reagiert und stellen ihr Sortiment entsprechend um. Vaude zum Beispiel hat Fleecebekleidung aus biologische abbaubaren Fasern entwickelt und nutzt für Regenklamotten hauptsächlich Sympatex. Auch andere Hersteller wie Fjällräven, Paramo, Pyua, Rotauf und R’adys bieten Alternativen an. 

Was kannst du tun?

Die wichtigste Frage, die man sich beim Kauf von Funktionskleidung stellen sollte ist: Brauche ich das wirklich? Die Jacken und Hosen sind vor allem für extreme Wettersituationen gemacht: Starken Regen, Kälte oder heftiges Schwitzen. Auf dem Weg zum Bäcker oder zur U-Bahn haben Funktionsjacken daher eigentlich nichts verloren. Wer den Schrank also schon voller kaum getragener Funktionskleidung hat, sollte vom Kauf absehen oder zumindest Kleidung erwerben, die mit Sympatex behandelt wurde.

Gewaschen und frisch gepflegt sind alte Jacken aber häufig genauso gut wie neue Produkte im Laden. Waschen ist wiederum so ein Thema: Einer Studie der britischen Plymouth University zufolge ist Kunstfaser-Kleidung eine der wichtigsten Quellen von Mikroplastik in Gewässern. Bei einer Wäsche bei 30 oder 40 Grad werden zum Beispiel bei einer Fleecejacke bis zu 1.900 Fasern gelöst und gelangen ins Abwasser. Zum Vergleich: Aus einem großen Naturfaser-Betttuch lösen sich nur rund 130 Fasern. Weil Kläranlagen die synthetischen Mikrofasern nicht aus dem Wasser herauszufiltern können, gelangen sie in Flüsse, Seen und Meere und werden dort von Tieren, Pflanzen und dem Menschen wieder aufgenommen.

Da nicht Waschen jedoch auch keine Option ist, gibt es einige Zwischenlösungen. Der Guppy Friend ist ein gutes Beispiel dafür. Der kleine Waschbeutel, in dem die Kleidung gewaschen wird, kann das Mikroplastik in der Maschine zurückhalten. Die gesammelten Fasern können dann im Restmüll entfernt werden.

Noch mal ganz kurz: 

  • Bevorzuge Sympatex statt Goretex
  • Nutze Klamotten so lange wie möglich, wäge Neuanschaffung sorgfältig ab
  • Verwende einen Waschbeutel gegen Mikroplastik (z.B. Guppy Friend)
  • Kaufe wenn möglich Natur- statt Kunstfaser. Ein Blick aufs Etikett verschafft Klarheit.
  • Achte auf Siegel wie Bluesign, Made in Green, den Blaue Engel oder GOTS, die den gesamten Herstellungsprozess im Blick haben. Vaude, Zimtstern, Patagonia und Mammut haben Klamotten im Programm, die solche Siegel tragen. Aber Vorsicht: Es gilt aber nicht automatisch für die gesamte Kollektion, sondern nur für einzelne Kleidungsstücke.

In der ersten Folge dieser Serie ging es um Daunen und Wolle. Hier kannst du reinlesen.

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