Wasserspaß – Klettern am Hohen Brett

Wir stapfen in Richtung Göll und versinken im Schnee. So war der Sommerurlaub nicht gedacht. Die Hochtourenpläne wurden vom Wetterumschwung schon durchkreuzt, nun haben sogar die kleineren Brötchen einen lästigen Beigeschmack. Wie bitte nutzen wir die verbleibenden Sonnentage, wo alles im Weiß verschwindet? Ein Tag später ist die Antwort klar. Die Sonne bruzelt uns Röte ins Genick. Der Rücken ist fast so nass wie die Wasserrillen unter unseren Fingern. Ein breites Grinsen zieht sich von Backe zu Backe. Ja, es wird Herbst. Und er ist wunderschön.

VON WO NACH WO: Start & Ende in Hinterbrand bei Berchtesgaden
WIE HOCH: insgesamt 1.200 Hm
WIE LANG: ungefähr 7 Stunden

WIE SCHWER: Wenn eine Route das Prädikat „Plaisirklettern“ verdient, dann diese. Die schwersten Stellen in „Sommer, Sonne, Sonnenschein“ sind mit einer glatten Vier bewertet, dazwischen warten noch leichtere Seillängen und Gehpassagen. Bei Nässe kann die ein oder andere Stelle trotzdem ein bisschen wackelig werden. Abgesichert ist sie mit ausreichend, aber nicht übermäßig vielen Haken. Hin und wieder kann ein kleiner oder mittlerer Friend deshalb für Entspannung sorgen.

DAS MUSS MIT: 8 Exen, 50 m Seil (wer nicht abseilen mag, sonst Halbseile), Helm und Bandschlingen. Abseilen geht, macht aber keinen Spaß. Steinschlag und so.

WIE WAR’S: Wer sich gerne durch Platten oder an Wasserrillen nach oben hangelt, ist hier richtig. Und bekommt einen grandiosen Ausblick auf Watzmann, Hochkalter und Königsee obendrauf. Die Route endet unterhalb des Hohen Bretts. Mit einer Viertelstunde Gehzeit ist der runde Gipfel aber schnell erreicht. Der klassische Abstieg führt zur Mitterkaseralm hinunter. Wer noch etwas Zeit hat, kann die wildere und abgeschiedenere Variante über die Brettgabel nehmen: Ein kleiner, zwischenzeitlich kaum sichtbarer Pfad schlängelt sich in nördlicher Richtung den Hang entlang. Steinmännchen weisen den Weg. Durch Latschen und über idyllische Aussichtspunkte nähert man sich dort langsamer, aber noch glücklicher dem Tal.

SCHÖNSTER FLECK: Die Bank auf der Brettgabel. Wir waren langsam genug unterwegs, um dort noch einen blau-rot-orangen Abendhimmel genießen zu können.

WEN TRIFFT MAN DA: Vielleicht lag es am Schnee, aber in unserem Fall: niemanden. Eigentlich ist die Route kein Geheimtipp mehr. Der Abstieg hingegen schon.

BESSER NICHT: Bei Nässe einsteigen, wenn man bei dem Stichwort „vierter Grad“ nicht an Genuss denkt. Dann besteht die wortwörtliche Gefahr, abzuschmieren.

ABKÜHLUNG: Nicht um’s Eck, aber immer einen Besuch wert: der Königssee. Ansonsten lohnt sich ein erfrischender Abstecher zum Naturbad Aschauerweiher.

SCHLEMMEN: Ja, wir sind Eis-Junkies. Deshalb können weder Herbst noch Schnee verhindern, dass wir die örtlichen Eisdielen plündern. Diesmal: das Eiscafé La Fontana.

MEHR DAZU: Topos und Wegbeschreibung gibt’s hier.

Bewertung: 4 von 5 Wasserspass-Punkten

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